Aufsatz:

 

Qumran-Fragment 7Q5 ist nicht Mk 6,52-53

Aus: Zeitschrift für Papyrologie und Epigrafik. Band 126 (1999) S. 189-194

1972 veröffentlichte der spanische Textforscher J. O´Callaghan seine These, das Qumran-Papyrus-Fragment 7Q5 sei mit einem ntl. Text, Mk 6, 52 – 53, zu identifizieren. (1) Nach einer kurzen Diskussionsphase war es vor allem das Verdienst K. Alands, der These den Rang einer Außenseiterhypothese zuzuweisen. (2) Abgesehen von J. O´Callaghan selbst (3) gab es nur noch in extrem konservativen christlichen Kreisen Verfechter einer ntl. Identifizierung für die Fragmente aus der Höhle 7Q. (4) So blieb es einige Jahre ruhig, bis sich 1984 C. P. Thiede der Identifizierung annahm. (5) Neue Argumente für die ntl. Identifizierung kann C. P. Thiede nicht vorweisen, er wiederholt, was 12 Jahre vorher von J. O´Callaghan gesagt worden ist. Die papyrologische Kompetenz des Autors wurde in ZPE 113 von H. Vocke beleuchtet. Die oberflächliche Arbeitsweise in papyrologischen Fragen zeigt sich bereits in C. P. Thiedes erstem Aufsatz zum Thema. Die dort gebotene Rekonstruktion des mit Mk 6, 52 – 53 identifizierten Textes des Fragmentes 7Q5 ist so fehlerhaft – 7 Fehler in 5 Zeilen! –, daß im folgenden Band ein Erratum veröffentlicht werden mußte. Doch selbst hier bleiben Fehler stehen, so vermag C. P. Thiede zweimal nicht zwischen einem Punkt nach dem Leidener Klammersystem und einem iota subscriptum zu unterscheiden. Immer wieder ist es ihm gelungen, seine These publikumswirksam zu inszenieren. Das hat schließlich Wirkung gezeigt, auch die Wissenschaft mußte sich wieder mit der ntl. Identifizierung beschäftigen, die als längst abgehandelt gelten könnte. (6)
Eigentlich genügt eine kurze und oberflächliche Betrachtung, um die ntl. Identifizierung abzulehnen, zu groß sind die Abweichungen, zu groß ist die Zahl der notwendigen Hilfshypothesen: Der sichere Buchstabenbestand von 7Q5 paßt nicht zum ntl. Text, die Stichometrie geht nicht auf, die paläographische Datierung deutet eher auf ein Datum vor der Zeitenwende hin, nichts spricht für die Annahme von ntl. Handschriften in Qumran, ntl. Handschriften auf Schriftrolle sind bisher nicht belegt, die Computerversuche sprechen gegen eine ntl. Identifizierung, der unerklärliche Wegfall gleich dreier Wörter müßte angenommen werden, um eine stimmige Stichometrie zu sichern, ein angeblicher Lautwechsel von Delta zu Tau kann nicht erklärt werden (da für Palästina nicht belegbar). Das alles müßte eigentlich reichen, um die These von der ntl. Identifizierung dahin zu verweisen, wohin sie gehört: ins Reich der wissenschaftlichen Fabel, oder aber in den Bereich des Wunschdenkens christlicher Konservativer, für die ein Evangelium nur dann wertvoll ist, wenn es vor 50 n. Chr. verfaßt worden ist.
Gegen diese Einwände haben Verfechter der ntl. Identifizierung Hilfshypothesen konstruiert, sämtliche auf tönernden Füßen. Entscheidend ist jedoch eine ganz einfache Frage: Ist in Zeile 2, beim Buchstaben, der auf das eindeutige Omega folgt ein Ny zu lesen oder aber ein Iota (Vgl. Abb. 1). C. P. Thiede selbst hat die Entscheidung über diesen Buchstaben zur ´Überlebensfrage´ seiner und J. O´Callaghans ntl. Identifizierung erklärt: “And it is indeed crucial in one vital sense: if this nu can be ruled out [...], the Markan identification is doomed, since it necessitates a nu at precisely this place.” (7)
In der Erstveröffentlichung des Fragmentes (8) gibt es zu diesem Buchstaben keinerlei Unklarheiten. Er wird von P. Boismard als Iota gelesen, ohne Punkt, also eindeutig identifiziert. Ein solches Iota legt die Vermutung nahe, daß es sich bei der Buchstabenkombination Tau Omega Iota um den Dativ des bestimmten Artikels handelt. Das Iota wird von Boismard deshalb als iota-adscriptum verstanden. Es erscheint in der Transkription jedoch in der heute üblichen Schreibung als iota-subscriptum.
Dieses iota-subscriptum hat zu großer Verwirrung geführt, denn es wurde mehrfach schlicht übersehen oder mit einem Punkt nach dem Leidener Klammersystem verwechselt.
Was spricht nun für ein Iota, was für ein Ny? Die Situation ist günstig, da beide Alternativen im Fragment 7Q5 einmal vollständig und unumstritten vorhanden sind (Vgl. Abb. 2). Im Vergleich des Längsstriches in Zeile 2 mit dem Iota in Zeile 3 fallen durchaus Unterschiede auf: (9)

a) unterschiedlich geformter Buchstabenkopf / Tendenz zur Verschmelzung mit dem Alpha am oberen Rand
b) unterschiedlich geformter Buchstabenfuß / Tendenz zur Verschmelzung mit dem Alpha am unteren Rand
c) der Abstrich des Iota endet vor dem unteren Zeilenende

Zu a) Auf keiner der bisher publizierten Abbildungen ist zu erkennen, ob sich das Iota und das Alpha in Zeile 3 oben einmal berührt haben. Im derzeitigen Zustand des Fragments gibt es allerdings keine Verbindung. Wahrscheinlich liegt zwischen beiden Buchstaben eine leichte Beschädigung des Papyrus vor, die eine Klärung dieser Frage zusätzlich erschwert. Unter diesen Umständen muß hier auf ein genaueres Resultat verzichtet werden. Der Unterschied zwischen dem Iota in Zeile 3 und dem Längsstrich in Zeile 2 läßt sich jedoch problemlos damit erklären, daß beide auf sehr unterschiedliche Buchstaben folgen. Neben einem Alpha ist schlicht mehr Platz, um einen nach links ausladenden Haken zu schreiben, als neben dem Omega in Zeile 2.
Verglichen mit den linken Längsstrichen der übrigen Buchstaben (Iota, Ny, Eta) erscheint für den umstrittenen Längsstrich in Zeile 2 allein ein Iota denkbar (Vgl. Abb. 3). Beim vollständigen Ny in Zeile 4 ist der Haken am oberen Teil des linken Abstriches wesentlich stärker ausgebildet, es besteht kaum Ähnlichkeit mit dem oberen Teil des Längsstriches in Zeile 2. (10) Der erste Einwand gegen die Deutung des Längsstriches als Iota ist somit hinfällig.
Zu b) Auch dieser Einwand läßt sich entkräften. Wie schon beim ersten Einwand, wird auch hier übersehen, daß die Form des vorangehenden Buchstaben Einfluß auf die Ausführung des nachfolgenden Buchstaben haben kann. Die Verbindung von Omega und Iota am Buchstabenfuß ist wesentlich schwieriger als die gleiche Verbindung zwischen Alpha und Iota. Somit bleibt als Argument nur die etwas unterschiedliche Form der Buchstabenfüße bestehen. Dazu ist jedoch zu bemerken, daß der Fuß des Längsstriches in Zeile 2 offensichtlich gar nicht mehr in voller Länge erhalten ist. (11) Wenn das untere Häkchen des Längsstriches ursprünglich nur ein wenig weiter nach links gereicht hat, dann ist seine Form identisch mit dem Fuß des sicheren Iota aus Zeile 3. Wenn die untere Häkchenbildung des Längsstriches von Zeile 2 und des sicheren Iota aus Zeile 3 einerseits nun mit dem Häkchen des sicheren Ny (Zeile 4) oder auch der beiden Eta (Zeile 4, 5) andererseits verglichen wird, dann fällt auf, daß die Häkchenform des Längsstriches nur mit dem unteren Ende des Iota zu vergleichen ist (Vgl. Abb. 3). In beiden Fällen sind die Häkchen leicht nach links unten geneigt, während die Häkchen sowohl des Ny als auch der beiden Eta waagerecht gezogen sind. Auch der zweite Einwand gegen eine Entzifferung des Längsstriches in Zeile 2 als Iota konnte also nicht bestehen.
Zu c) F. Rohrhirsch hat ganz recht, wenn er feststellt, der Abstrich des Iota reiche nicht bis zum Zeilenende, er ende ein wenig oberhalb. (12) Aber exakt dieser Fall liegt auch beim Längsstrich in Zeile 2 vor, wie ein Blick auf die publizierten Abbildungen nahelegt und durch die extrem vergrößerte Abbildung bei C. P. Thiede (13) nun auch erwiesen ist. Der senkrechte Abstrich endet knapp oberhalb der – freilich immer unregelmäßigen – Grundlinie. Darunter setzt dann das von links unten nach rechts oben verlaufende Häkchen an. Dabei gibt es keinerlei Unterschied zwischen dem Längsstrich in Zeile 2 und dem Iota in Zeile 3. (14) Auch dieser Einwand ist also keiner, statt dessen verweist er auf eine besonders auffällige Ähnlichkeit des Längsstriches aus Zeile 2 mit dem Iota in Zeile 3.
Die von den Befürwortern der mk. Identifizierung vorgetragenen Argumente gegen die Lesung des Längsstriches in Zeile 2 als 4 haben sich allesamt als nicht stichhaltig erwiesen. Die genauere Untersuchung brachte statt dessen deutliche Hinweise gegen das von O´Callaghan, C. P. Thiede, F. Rohrhirsch, H. Hunger u. a. gelesene Ny.
Schon an dieser Stelle ist dem Iota der unbedingte Vorzug zu geben! (15)

H. Hunger versuchte 1991 die ntl. Identifizierungsthese papyrologisch zu stützen. (16) Auf 24 Seiten mit 23 Abbildungen verfolgt er folgenden Argumentationsgang: Gleiche Schreiber führen gleiche Buchstaben im gleichen Dokument häufig sehr unterschiedlich aus. Das ist sicher richtig, trifft aber für das Fragment 7Q5 nicht wirklich zu. Sämtliche im Fragment doppelt vorhandenen Buchstaben zeigen im Gegenteil beim Übereinanderkopieren eine überraschend hohe Deckungsgleichheit (das gilt auch für die auf den ersten Blick unterschiedlichen Eta!). Auch der Verweis H. Hungers auf die beiden verschiedenen Typen des Buchstaben Ny – ´falling type´ und ´rising type´ – kann nicht überzeugen. Das von ihm als “Urform” vorgeführte ´rising type´ (17) Ny hat keine Ähnlichkeit mit einem aus den vorhandenen Tintenspuren des Fragmentes 7Q5 rekonstruierten Ny. Das Ny in Zeile 4 ist  außerdem zweifelsfrei ein ´falling type´ Ny. Die von H. Hunger angeführten Abbildungen zeigen zwar immer wieder unterschiedlich geformte Buchstaben des gleichen Schreibers im gleichen Text, die abgebildeten Ny sind aber in einem einzelnen Papyrus entweder alle ´rising type´ oder ´falling type´, niemals werden diese beiden Grundformen des Buchstaben Ny in einem Text vermischt gebraucht. Genau das muß aber für 7Q5 angenommen werden, damit H. Hungers Hinweis argumentativen Wert erhielte. Dann versucht er, eine neue Form für das angebliche Ny in Zeile 2 plausibel zu machen, was aber eine Unterschiedlichkeit in der Buchstabenausführung voraussetzt, die sich weder im Fragment 7Q5, noch in einem Vergleichspapyrus finden läßt.

C. P. Thiede verteidigt nach wie vor die Lesung eines Ny in Zeile 2. Er gibt an, die Breite der beiden Eta (Z. 4, 5) mit der des sicheren und des in Zeile 2 rekonstruierten Ny gemessen und verglichen zu haben. Der Schwankungsbereich sei bei beiden gleich gewesen. In Zeile 2 gibt es jedoch keinerlei Anhaltspunkte für die ´äußerste Breite´ des angeblichen Ny, denn diese würde ja durch das obere Häkchen am rechten Abstrich gebildet. Von diesem Häkchen fehlt jede Spur, es ist nichts davon zu sehen. Es kann kaum als Kennzeichen seriöser Forschung gelten, etwas zu vermessen, das nicht da ist und als Ergebnis einen Wert im Genauigkeitsbereich eines zehntel Millimeters zu präsentieren. Tatsächlich ist die Breitenabweichung zwischen den beiden Eta nicht meßbar (Vgl. Abb. 4), zwischen dem Ny in Zeile 4 und dem angeblichen Ny in Zeile 2 ist sie jedoch beträchtlich (Vgl. Abb. 5). Auch das läßt sich am besten zeigen, wenn Abbildung und Folienkopie übereinandergelegt betrachtet werden. Während die beiden Eta fast vollständig deckungsgleich sind (Vgl. Abb. 6), gibt es zwischen dem sicheren Ny von Zeile 4 und den Tintenresten rechts des Längsstriches von Zeile 2 keinen Berührungspunkt, vielmehr nur einen ´Schnittpunkt´ (Vgl. Abb. 7). (18) Es ist somit erwiesenermaßen falsch zu behaupten, die beiden Ny seien im gleichen Maße verschieden, wie die beiden Eta. Richtig ist dagegen: Die beiden Eta sind nahezu identisch, das erhaltene und das behauptete Ny sind dagegen vollkommen verschieden.
Zur Stützung seiner These veranlaßte C. P. Thiede eine mikroskopische Untersuchung des Fragmentes 7Q5. Dankenswerterweise gibt C. P. Thiede seinem Bericht einen Computerausdruck der betreffenden Stelle in extremer Vergrößerung bei – die genaue Vergrößerung ist leider nicht angegeben, dürfte aber ca. 30 – 40-fach sein. Hier ist neben dem senkrechten Strich etwas Dunkles zu erkennen. Nun wird beim benutzten Stereo-Mikroskop das Licht flach von der Seite eingestrahlt, was zu deutlichem Schattenwurf führt. Rechts neben dem senkrechten Strich in Zeile 2 ist eine sehr unregelmäßige, rauhe Stelle im Papyrus deutlich zu erkennen. Die Erhebungen an dieser Stelle verursachen einen Schattenwurf, der durchaus Ähnlichkeiten mit Tintenresten suggerieren kann,  vor allem, wenn jemand an dieser Stelle Tintenreste zu sehen wünscht. (19)
Die Vergrößerung dient dennoch der Klärung dieser umstrittenen Frage, denn sie ermöglicht nun die definitive Entscheidung gegen das Ny in Zeile 2. Rechts vom senkrechten Strich ist deutlich ein Neuansatz des Schreibers zu erkennen. Ein Neuansatz an dieser Stelle ist jedoch auf gar keinen Fall mit einem Ny zu vereinbaren. In Zeile 2 kann hinter dem Omega nun ein Iota als sicherer Buchstabe angeführt werden. Ein Ny ist dagegen definitiv ausgeschlossen.
C. P. Thiede hält trotz der eigentlich eindeutigen Argumente gegen das Ny weiterhin an seiner falschen Lesung fest, um die These der mk. Identifizierung zu retten. Wie weit er dabei geht, läßt sich an der englischen Ausgabe des Buches “The Jesus Papyrus” zeigen. Im Innendeckel des Buches ist eine Buchstabenrekonstruktion abgebildet: ein rekonstruiertes Ny ist hinter das Omega gesetzt worden. Dieses rekonstruierte Ny ist aber nicht deckungsgleich mit den Tintenspuren des Original-Fragmentes! Die Tintenspuren müßten unterhalb des Diagonal-Balkens des rekonstruierten Ny sichtbar sein. Dort ist aber nur unbeschriebener Papyrus zu sehen. Um die Rekonstruktion glaubwürdiger erscheinen zu lassen, werden aus der Abbildung des Originals unzweideutige Tintenspuren entfernt. Hier werden ganz bewußt Tatsachen gefälscht, denn nur diese Täuschung läßt das rekonstruierte Ny plausibel erscheinen. In der deutschen Ausgabe verzichtet C. P. Thiede auf diesen ´Kunstgriff´, mit dem Effekt, daß die Rekonstruktion des Ny längst nicht in gleichem Maße überzeugend wirkt.

Fazit:
Die genaue Untersuchung der Zeile 2 führte zu einem klaren Ergebnis. Hinter dem Omega ist ein Iota zu lesen. Das von J. O´Callaghan, C. P. Thiede und anderen Vertretern der mk. Identifizierung geforderte Ny ist dagegen definitiv ausgeschlossen. Letzte Sicherheit in dieser Frage erbrachte die von C. P. Thiede selbst angestrengte mikroskopische Untersuchung des Fragmentes 7Q5. Die mk. Identifizierung benötigt an dieser Stelle unbedingt ein Ny. Da dieses nicht vorhanden ist, kann die Identifizierung des Fragmentes 7Q5 mit Mk 6, 52 – 53 spätestens an dieser Stelle definitiv abgelehnt werden.

Die These 7Q5 = Mk 6, 52 – 53 ist falsifiziert.

Paderborn                                                                                       

Anmerkungen:

1) Vgl. O´Callaghan, J.: ¿Papiros neotestamentarios en la cueva 7 de Qumran? In: Biblica 53 (1972), S. 91 - 100

2) Vgl. Aland, K.: Neue neutestamentliche Papyri III. In: New Testament Studies 20 (1974), S. 357 - 381

3) Vgl. O´Callaghan, J.: Los Papiros Griegos de la Cueva 7 de Qumran. Madrid: 1974

4) Ein besonders krasses Beispiel ist das Buch Estrada, D.; White, W.: The First New Testament. Nashville: 1978 Die sachlichen Fehler dieses Buches sind beinahe schon wieder amüsant, der Ton leider höchst unappetitlich. Vor allem wird auf die Bedeutung der ntl. Identifizierung für die Datierung der Evangelien hingewiesen, sogar eine Abfassung des Markus-Evangeliums zu Lebzeiten Jesu erwogen, ebd. S. 139.

5) Vgl. Thiede, C. P.: 7Q. Eine Rückkehr zu den neutestamentlichen Papyrusfragmenten in der siebten Höhle von Qumran. In: Biblica 65 (1984), S. 538 - 559

6) Z. B. wird in H. A. Rupprecht: Kleine Einführung in die Papyruskunde. Darmstadt: 1994, S. 192 die Frage der ntl. Identifizierung als “noch nicht entschieden” bezeichnet.

7) Thiede, C. P.: The earliest gospel manuscript? The Qumran Fragment 7Q5 and ist Significance for New Testament Studies. Exeter: 1992, S. 35.

8) M. Baillett - J.T. Milik - R. deVaux, Les ´Petites Grottes´ de Qumran. Textes, Oxford 1962 (= DJD III), S. 144

9) Diese Unterschiede wurden zusammengestellt im Anschluß an Rohrhirsch, F.: Markus in Qumran? Eine Auseinandersetzung mit den Argumenten für und gegen das Fragment 7Q5 mit Hilfe des methodischen Fallibilismusprinzips. Wuppertal: 1990, S. 45 – 47, der in seiner Untersuchung jedoch zu dem genau gegenteiligen Ergebnis kommt. Die folgende Darstellung wird zeigen, daß die Schlüsse F. Rohrhirschs nicht nachvollziehbar sind.

10) Man beachte dabei, daß das Ny in Zeile 5 auf ein vorangehendes Ny folgt, also ähnlich wie in Zeile 2 zwei Längs-Abstriche nebeneinander stehen. Wenn unter derart ähnlichen Bedingungen die oberen Teile beider Buchstaben verschieden ausfallen, dann darf das doch wohl als Argument gegen das Vorhandensein eines Ny in Zeile 2 gewertet werden.

11) Vgl. dazu die vergrößerte Abbildung bei Thiede, C. P.: Bericht über die kriminaltechnische Untersuchung des Fragments 7Q5 in Jerusalem. In: Christen und Christliches in Qumran? Hg. V. Bernhard Mayer. Regensburg: 1992, S. 243.

12) Vgl. Rohrhirsch, F.: Markus in Qumran? S. 46.

13) Vgl. Thiede, C. P.: Bericht über die kriminaltechnische Untersuchung. S. 243.

14) Am Rande sei noch vermerkt, daß all diese Kriterien eine deutliche Sprache sprechen im Hinblick auf den Buchstabenrest, der in Zeile 3 auf das Tau folgt. Hier ein – für die mk. Identifizierung zwingend notwendiges – Iota anzunehmen, erscheint bei genauerer Betrachtung als pures Wunschdenken. Es fehlt jeder Hinweis auf das beim Iota von links unten nach rechts oben verlaufende Häkchen. Die Annahme eines Omega liegt dagegen schon aus dem direkten Vergleich mit der dann identischen Buchstabenabfolge in Zeile 2 nahe.

15) Die Behauptung bei Thiede, C. P.: Die älteste Evangelienhandschrift? Ein Qumran-Fragment wird entschlüsselt. Wuppertal 41994, S. 46: “O´Callaghans Lesart ist die einzig wahrscheinliche.” erweist sich in gleichem Maße schon in diesem Stadium der Untersuchung als abwegig.

16) Vgl. Hunger, H.: 7Q5: Markus 6, 52 – 53 – oder? Die Meinung des Papyrologen. In: Christen und Christliches in Qumran? Hg. V. Bernhard Mayer. Regensburg: 1992, S. 33 – 56.

17) Vgl. dazu Gumbert, J. P.: Structure and Forms of the Letter Ny in Greek Documentary Papyri. A paleographical Study. In: Papyrologica Lugduno-Batavia 14 (1965), S. 3.

18) Die auf einem ähnlichen Verfahren beruhende Abbildung bei Stanton, G.: Gospel Truth? New Light on Jesus and the Gospels. London: 1995, Abb. 8 kommt – aus mir unverständlichen Gründen – noch zu einem viel zu positiven Eindruck.

19) Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der australische Papyrologe R. G. Jenkins in Stanton, G.: Gospel Truth? S. 28 f.: “R. G. Jenkins [...] has looked carefully at the original and the new photograph. He has reached the same conclusion: he thinks the faint traces which the stereo-microscope has found may be no more than a shadow.” Wenn C. P. Thiede ihm daraufhin “selektive Legasthenie” vorwirft, ist das nur noch peinlich, da schließlich C. P. Thiede selbst hier Dinge sieht, die nicht vorhanden sind (eine Neigung, für die es wesentlich unfreundlichere Wörter im polemischen Wortschatz gäbe...).

Abbildungen zum Artikel


Abb. 1


Abb 2: 7Q5, Z 3 --- 7Q5, Z. 2 --- 7Q5, Z. 4


Abb. 3: (Z. 2 - I) - (Z. 3 - N) - (Z. 4 - H) - (Z. 5)


Abb. 4: H in Zeile 5 und Zeile 4


Abb. 5: Z. 2 und N in Zeile 4


Abb. 6:
Oben das H aus Zeile 4, unten das H aus Zeile 5, in der Mitte beide übereinandergelegt.


Abb. 7:
oben die Tintenreste in Zeile 2, unten das N aus Zeile 4, in der Mitte beide übereinandergelegt